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595 Mio.
Menschen weltweit hatten 2020 Schätzungen zufolge Arthrose; am häufigsten betroffen ist das Knie (Global-Burden-of-Disease-Studie).
GBD 2021 Osteoarthritis Collaborators. Global, regional, and national burden of osteoarthritis, 1990-2020 and projections to 2050: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet Rheumatol 2023;5(9):e508-e522
Was laut Studien hilft
WahrscheinlichCochrane-Metaanalyse
Bewegungstherapie bei Kniearthrose
Gezielte Übungen verbessern bei Kniearthrose kurzfristig wahrscheinlich die körperliche Funktion und lindern möglicherweise Schmerzen. Ob der Effekt für Betroffene spürbar groß ist, bleibt unsicher.
Design
Cochrane-Übersicht über 139 randomisierte Studien mit 12.468 Menschen mit Kniearthrose; Übungsprogramme an Land, Dauer 2 bis 104 Wochen.
Ergebnis
Gegenüber keiner Behandlung, üblicher Versorgung oder kurzer Information: Schmerz im Mittel 13,14 Punkte besser (geringe Vertrauenswürdigkeit), körperliche Funktion 12,53 Punkte besser (mittlere Vertrauenswürdigkeit), jeweils auf einer Skala von 0 bis 100. Als kleinster für Betroffene bedeutsamer Unterschied wurden 12 Punkte (Schmerz) bzw. 13 Punkte (Funktion) angesetzt.
Einordnung
Die Vertrauensbereiche erreichten diese Schwellen nicht sicher; die Autoren nennen den Nutzen deshalb von unsicherer klinischer Bedeutung. Die meisten Teilnehmenden wussten, dass sie trainierten, was die Ergebnisse beeinflusst haben kann. Alle aktuellen internationalen Leitlinien empfehlen Bewegung zur Selbstbehandlung. Gegenüber einer Schein- oder Aufmerksamkeitsbehandlung war der Schmerz nur 8,70 Punkte besser (geringe Vertrauenswürdigkeit).
Quelle: Lawford BJ, Hall M, Hinman RS et al. Exercise for osteoarthritis of the knee. Cochrane Database Syst Rev 2024;12(12):CD004376. doi:10.1002/14651858.CD004376.pub4
Abnehmen plus Bewegung bei Übergewicht und Kniearthrose
Übergewichtige und adipöse Menschen mit Kniearthrose, die per Diät im Mittel 11,4 % ihres Gewichts verloren und zusätzlich trainierten, hatten nach 18 Monaten weniger Schmerzen und eine bessere Funktion als mit Training allein.
Design
454 übergewichtige oder adipöse Erwachsene ab 55 Jahren (BMI 27 bis 41) mit Knieschmerzen und im Röntgenbild sichtbarer Kniearthrose, USA (Wake Forest University, 2006 bis 2011); drei Gruppen: Diät plus Training, nur Diät, nur Training; 18 Monate, einfach verblindet (IDEA-Studie).
Ergebnis
Gewichtsverlust 10,6 kg (11,4 %) mit Diät plus Training, 8,9 kg (9,5 %) mit Diät, 1,8 kg (2,0 %) mit Training. Schmerzwert (Skala 0 bis 20) nach 18 Monaten: 3,6 mit Diät plus Training gegenüber 4,8 (Diät) und 4,7 (Training). Funktionswert (Skala 0 bis 68, niedriger ist besser): 14,1 gegenüber 18,4 mit Training allein.
Einordnung
Schmerz und Funktion waren nur Nebenzielgrößen; Hauptziele waren die Druckkräfte im Kniegelenk und ein Entzündungswert (IL-6). 88 % der Teilnehmenden beendeten die Studie.
Quelle: Messier SP, Mihalko SL, Legault C et al. Effects of intensive diet and exercise on knee joint loads, inflammation, and clinical outcomes among overweight and obese adults with knee osteoarthritis: the IDEA randomized clinical trial. JAMA 2013;310(12):1263-1273. doi:10.1001/jama.2013.277669
Verhaltenstherapie gegen Schlaflosigkeit bei Arthrose
Bei Menschen mit Arthroseschmerz und Schlaflosigkeit verbesserte eine kognitive Verhaltenstherapie gegen Schlaflosigkeit (KVT-I) in randomisierten Studien den Schlaf, in der größeren Studie auch noch nach 12 Monaten. Auf den Schmerz wirkte sie weniger: In der größeren Studie half sie nur direkt nach der Behandlung; in der kleineren sanken die Schmerzen in beiden Gruppen ähnlich.
Design
McCurry 2021: 327 Menschen ab 60 Jahren mit mittelschwerem bis schwerem Arthroseschmerz und Schlaflosigkeit; sechs Telefonsitzungen über 8 Wochen gegen reine Information. Smith 2015: 100 Menschen mit Kniearthrose und Schlaflosigkeit (im Mittel 59,4 Jahre); 8 Sitzungen KVT-I gegen eine Scheinbehandlung.
Ergebnis
McCurry: Schlaflosigkeits-Punktwert 3,5 Punkte stärker gesunken als in der Kontrollgruppe, nach 12 Monaten noch 3,0 Punkte; nach 12 Monaten ohne relevante Schlaflosigkeit 56,3 % gegenüber 25,8 %. Smith: stärkerer Rückgang der nächtlichen Wachzeit unter KVT-I; die Schmerzen sanken in beiden Gruppen vergleichbar.
Einordnung
Bei McCurry war der Schmerz direkt nach der Behandlung besser, nach 12 Monaten nicht mehr. Bei Smith sagte ein stärkerer Rückgang der nächtlichen Wachzeit eine spätere Schmerzabnahme voraus. Beide Studien wurden von den US-Gesundheitsinstituten (NIH) gefördert.
Quelle: McCurry SM, Zhu W, Von Korff M et al. Effect of Telephone Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia in Older Adults With Osteoarthritis Pain: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med 2021;181(4):530-538. doi:10.1001/jamainternmed.2020.9049
Quelle: Smith MT, Finan PH, Buenaver LF et al. Cognitive-behavioral therapy for insomnia in knee osteoarthritis: a randomized, double-blind, active placebo-controlled clinical trial. Arthritis Rheumatol 2015;67(5):1221-1233. doi:10.1002/art.39048
In zwei randomisierten Studien mit Menschen mit Kniearthrose half Tai Chi ähnlich gut wie Physiotherapie und – als Videoprogramm für zu Hause ohne Anleitung – besser als reine Information gegen Knieschmerzen und Einschränkungen im Alltag. In der Vergleichsstudie mit Physiotherapie wussten die Teilnehmenden, welche Behandlung sie bekamen.
Design
Studie 1 (USA): 204 Menschen mit Kniearthrose, Durchschnittsalter 60 Jahre, 70 % Frauen; Tai Chi 2-mal pro Woche für 12 Wochen gegen Physiotherapie, Beobachtung bis 52 Wochen. Studie 2 (Australien): 178 Menschen mit Kniearthrose; 12-wöchiges Tai-Chi-Videoprogramm für zu Hause plus Info-Website gegen die Info-Website allein.
Ergebnis
Studie 1: Beschwerde-Wert (WOMAC) nach 12 Wochen in beiden Gruppen deutlich gesunken (Tai Chi um 167, Physiotherapie um 143 Punkte), kein signifikanter Unterschied; Tai Chi besserte depressive Beschwerden und die körperliche Lebensqualität stärker. Studie 2: Knieschmerz beim Gehen 1,4 Punkte stärker gesunken (Skala 0–10), Funktion 5,6 Punkte (Skala 0–68); eine spürbare Schmerzbesserung erreichten 73 % gegenüber 47 %.
Einordnung
In beiden Studien gab es keine schweren Nebenwirkungen. Studie 1 bezahlten die US-Gesundheitsbehörden (NIH). In Studie 1 erhielten einzelne Autoren außerhalb der Studie Geld von Firmen, unter anderem Pfizer und Nestlé. In Studie 2 erhielten einzelne Autorinnen außerhalb der Studie Geld unter anderem von Medibank und Sword Health. Ein Autor von Studie 2 ist mit einer Tai-Chi-Schule verbunden. Die Ergebnisse von Studie 2 gelten für 12 Wochen.
Quelle: Wang C, Schmid CH, Iversen MD et al. Comparative Effectiveness of Tai Chi Versus Physical Therapy for Knee Osteoarthritis: A Randomized Trial. Ann Intern Med 2016;165(2):77-86. doi:10.7326/M15-2143
Quelle: Zhu SJ, Hinman RS, Nelligan RK et al. Online Unsupervised Tai Chi Intervention for Knee Pain and Function in People With Knee Osteoarthritis: The RETREAT Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med 2026;186(1):15-25. doi:10.1001/jamainternmed.2025.5723
Rauchen hängt mit einem höheren Risiko für rheumatoide Arthritis (entzündliches Gelenkrheuma) zusammen, schon bei geringer lebenslanger Rauchmenge. Ab mehr als 20 Packungsjahren war das Risiko etwa doppelt so hoch wie bei Nie-Rauchenden und stieg danach nicht weiter.
Design
Dosis-Wirkungs-Metaanalyse von 3 prospektiven Kohortenstudien und 7 Fall-Kontroll-Studien (Beobachtungsstudien) mit insgesamt 4.552 Erkrankten.
Ergebnis
Verglichen mit Nie-Rauchenden: Risiko 1,26-fach bei 1 bis 10 Packungsjahren und 1,94-fach bei 21 bis 30 Packungsjahren. Bei noch höherer Rauchmenge stieg es nicht weiter.
Einordnung
Beobachtungsdaten zeigen einen Zusammenhang, keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Der Zusammenhang war bei Rheumafaktor-positiver Erkrankung stärker. Es geht um entzündliches Gelenkrheuma, nicht um Arthrose.
Quelle: Di Giuseppe D, Discacciati A, Orsini N, Wolk A. Cigarette smoking and risk of rheumatoid arthritis: a dose-response meta-analysis. Arthritis Res Ther 2014;16(2):R61. doi:10.1186/ar4498
Freizeitläuferinnen und -läufer hatten in Beobachtungsstudien nicht häufiger Knie- oder Hüftarthrose als bewegungsarme Nicht-Läufer. Ob das am Laufen selbst liegt, lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten.
Design
Systematische Übersicht über fünfundzwanzig Beobachtungsstudien mit 125.810 Menschen, davon 17 Studien mit 114.829 Menschen in der Metaanalyse; Vergleich von Freizeitläufern, Leistungsläufern und bewegungsarmen Nicht-Läufern.
Ergebnis
Arthrose an Hüfte oder Knie bei 3,5 % der Freizeitläufer, 13,3 % der Leistungsläufer und 10,2 % der Nicht-Läufer. Odds Ratio 0,86 für Freizeitläufer (95-%-KI 0,69 bis 1,07) und 1,34 für Leistungsläufer (0,97 bis 1,86), jeweils gegenüber Nicht-Läufern und nicht signifikant. Laufen über weniger als 15 Jahre: Odds Ratio 0,6.
Einordnung
Ob die Zusammenhänge ursächlich sind oder durch andere Faktoren wie frühere Verletzungen entstehen, konnten die Autoren nicht klären. Die Prozentwerte sind über alle Studien zusammengefasste Häufigkeiten je Gruppe; der direkte Vergleich (Odds Ratio) zeigte für Freizeitläufer keinen signifikanten Unterschied.
Quelle: Alentorn-Geli E, Samuelsson K, Musahl V et al. The Association of Recreational and Competitive Running With Hip and Knee Osteoarthritis: A Systematic Review and Meta-analysis. J Orthop Sports Phys Ther 2017;47(6):373-390. doi:10.2519/jospt.2017.7137
Bei Hüftarthrose verbessern Übungen Schmerzen und körperliche Funktion wahrscheinlich nur leicht. Laut den Autoren ist diese Verbesserung für Betroffene wahrscheinlich nicht bedeutsam.
Design
Cochrane-Übersicht über 18 randomisierte Studien mit 1.368 Menschen mit Hüftarthrose; die meisten Studien waren klein und nicht verblindet.
Ergebnis
Gegenüber keiner Behandlung, üblicher Versorgung oder kurzer Information: Schmerz im Mittel 7,19 Punkte besser, körperliche Funktion 8,79 Punkte besser (Skala 0 bis 100; mittlere Vertrauenswürdigkeit). Wahrscheinlich kaum oder kein Effekt auf die Lebensqualität.
Einordnung
Nur 2 kleine Studien (123 Personen) verglichen Übungen mit einer Schein- oder Aufmerksamkeitsbehandlung; dort zeigte sich beim Schmerz womöglich kaum oder kein Unterschied.
Quelle: Hall M, Lawford BJ, Hinman RS et al. Exercise for osteoarthritis of the hip. Cochrane Database Syst Rev 2026;7(7):CD007912. doi:10.1002/14651858.CD007912.pub3
Paracetamol verbessert Schmerzen und Funktion bei Knie- oder Hüftarthrose nur minimal, unterhalb der für Betroffene bedeutsamen Schwelle. Auffällige Leberwerte traten in den Studien häufiger auf, ihre Bedeutung ist unsicher. Paracetamol nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache einnehmen.
Design
Cochrane-Übersicht über 10 placebokontrollierte randomisierte Studien mit 3.541 Menschen mit Knie- oder Hüftarthrose; 1,95 bis 4 g Paracetamol pro Tag, meist nur 3 Monate Beobachtung.
Ergebnis
Schmerz 3,23 Punkte besser als mit Placebo (Skala 0 bis 100), absolut 3 %; als bedeutsam gelten 9 %. Funktion 2,9 Punkte besser, absolut 3 %; als bedeutsam gelten 10 %. Auffällige Leberwerte bei 70 statt 18 von 1.000 Behandelten (relatives Risiko 3,79).
Einordnung
Hohe Vertrauenswürdigkeit für Schmerz und Funktion, für die Leberwerte nur mittlere. Nebenwirkungen insgesamt traten nicht häufiger auf als mit Placebo. Die Dosis (bis 3,0 g oder ab 3,9 g pro Tag) änderte die Wirkung nicht. Die klinische Bedeutung der Leberwerte ist laut Autoren unsicher.
Quelle: Leopoldino AO, Machado GC, Ferreira PH et al. Paracetamol versus placebo for knee and hip osteoarthritis. Cochrane Database Syst Rev 2019;2(2):CD013273. doi:10.1002/14651858.CD013273
Kein Nutzen belegtLeitlinie (BMJ Rapid Recommendation) + randomisierte Studie
Kniespiegelung bei verschleißbedingten Knieschmerzen
Bei verschleißbedingten Kniebeschwerden, auch mit Meniskusriss, brachte eine Gelenkspiegelungs-Operation (Arthroskopie) in Studien keine anhaltende Besserung und war nicht besser als eine Schein-Operation oder Bewegungstherapie. Eine internationale Leitlinie rät deshalb bei fast allen Betroffenen stark davon ab.
Design
Leitlinie auf Basis einer Übersicht über 13 randomisierte Studien (1.668 Patienten) zum Nutzen und 12 Beobachtungsstudien (über 1,8 Millionen Patienten) zu Komplikationen. Dazu die finnische FIDELITY-Studie: 146 Menschen von 35 bis 65 Jahren mit verschleißbedingtem Innenmeniskusriss ohne Arthrose; Teilentfernung des Meniskus gegen Schein-Operation, doppelblind.
Ergebnis
FIDELITY: nach 12 Monaten kein signifikanter Unterschied, z. B. Verbesserung im Lysholm-Wert um 21,7 Punkte nach Meniskus-Teilentfernung gegenüber 23,3 Punkten nach Schein-Operation. Leitlinie: starke Empfehlung gegen Arthroskopie bei fast allen Patienten mit verschleißbedingter Kniekrankheit, mit oder ohne Arthrose im Bild.
Einordnung
Laut Leitlinie besteht nur eine geringe Wahrscheinlichkeit (unter 15 %) für eine kleine, kurzfristige Besserung, die nach einem Jahr nicht mehr anhält. Die Leitlinie wurde nicht finanziert. Die Empfehlung gilt nicht nach einem frischen schweren Knieunfall mit akuter Gelenkschwellung und nicht bei dauerhaft blockiertem Knie.
Quelle: Siemieniuk RAC, Harris IA, Agoritsas T et al. Arthroscopic surgery for degenerative knee arthritis and meniscal tears: a clinical practice guideline. BMJ 2017;357:j1982. doi:10.1136/bmj.j1982
Quelle: Sihvonen R, Paavola M, Malmivaara A et al. Arthroscopic partial meniscectomy versus sham surgery for a degenerative meniscal tear. N Engl J Med 2013;369(26):2515-2524. doi:10.1056/NEJMoa1305189
Weder Glucosamin noch Chondroitin noch beides zusammen linderten Knieschmerzen bei Arthrose insgesamt nachweisbar besser als ein Scheinmedikament. Wer solche Nahrungsergänzungsmittel nehmen möchte, sollte das ärztlich besprechen.
Design
1.583 Menschen mit schmerzhafter Kniearthrose (Durchschnittsalter 59 Jahre, 64 % Frauen), USA; täglich 1.500 mg Glucosamin, 1.200 mg Chondroitinsulfat, beides, 200 mg Celecoxib oder Placebo; 24 Wochen, doppelblind (GAIT-Studie).
Ergebnis
20 % weniger Schmerz erreichten 60,1 % mit Placebo; mit Glucosamin 3,9 Prozentpunkte mehr (P = 0,30), mit Chondroitin 5,3 (P = 0,17), mit beidem 6,5 (P = 0,09), jeweils nicht signifikant. Mit dem Schmerzmittel Celecoxib 10,0 Prozentpunkte mehr (P = 0,008).
Einordnung
In einer explorativen Untergruppe mit mittelstarken bis starken Schmerzen (354 der 1.583 Teilnehmenden) schnitt die Kombination besser ab (79,2 % gegenüber 54,3 %); das ist ein Hinweis, kein Beleg. Nebenwirkungen waren mild, selten und in allen Gruppen ähnlich.
Quelle: Clegg DO, Reda DJ, Harris CL et al. Glucosamine, chondroitin sulfate, and the two in combination for painful knee osteoarthritis. N Engl J Med 2006;354(8):795-808. doi:10.1056/NEJMoa052771