Lange Arbeitszeiten, Job-Stress, Schichtdienst und Sitzen: was mit Krankheiten zusammenhängt und was Studien zu Gegenmaßnahmen zeigen.
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höheres Schlaganfallrisiko bei 55 Arbeitsstunden pro Woche oder mehr, gegenüber 35–40 Stunden (Beobachtungsdaten).
Kivimäki M et al. Long working hours and risk of coronary heart disease and stroke. Lancet 2015;386:1739–1746
Aussagen für diesen Schwerpunkt
GehirnWahrscheinlichMetaanalyse von Beobachtungsstudien
Lange Arbeitszeiten und Schlaganfall
Wer 55 Stunden pro Woche oder mehr arbeitete, hatte in Langzeitstudien ein höheres Schlaganfallrisiko als Menschen mit 35–40 Stunden. Der Zusammenhang mit koronarer Herzkrankheit war schwächer.
Design
Metaanalyse von Kohortenstudien: 603.838 Personen (koronare Herzkrankheit) bzw. 528.908 (Schlaganfall).
Ergebnis
55 Stunden und mehr gegenüber 35–40 Stunden: Schlaganfall RR 1,33; koronare Herzkrankheit RR 1,13.
Einordnung
Beobachtungsdaten; Ursache und Wirkung sind nicht bewiesen.
Quelle: Kivimäki M et al. Long working hours and risk of coronary heart disease and stroke. Lancet 2015;386:1739–1746. doi:10.1016/S0140-6736(15)60295-1
WHO/ILO-Schätzung: Todesfälle durch sehr lange Arbeitszeiten
WHO und ILO schätzen, dass 2016 weltweit etwa 745.000 Todesfälle durch Herzkrankheit und Schlaganfall auf Arbeitswochen von 55 Stunden oder mehr zurückgingen. Das ist eine Modellrechnung auf Basis von Beobachtungsstudien.
Design
Modellierung der Krankheitslast für 183 Länder. Risikowerte für Herzkrankheit aus einem systematischen Review (37 Studien, 768.751 Teilnehmende).
Ergebnis
488 Millionen Menschen arbeiteten 55 Stunden oder mehr pro Woche. Geschätzt 745.194 zuzuschreibende Todesfälle. Tod durch koronare Herzkrankheit: RR 1,17.
Achtung
Für 41–54 Stunden pro Woche war die Evidenz unzureichend.
Quelle: Pega F et al. Global, regional, and national burdens of ischemic heart disease and stroke attributable to exposure to long working hours (WHO/ILO). Environ Int 2021;154:106595. doi:10.1016/j.envint.2021.106595
Quelle: Li J et al. The effect of exposure to long working hours on ischaemic heart disease (WHO/ILO). Environ Int 2020;142:105739. doi:10.1016/j.envint.2020.105739
Herz & KreislaufWahrscheinlichMetaanalyse von Beobachtungsstudien
Job-Stress und koronare Herzkrankheit
Wer hohe Anforderungen bei wenig Entscheidungsspielraum hatte (Job-Strain), hatte ein um etwa 23 % höheres Risiko für koronare Herzkrankheit. Die Autoren schätzen, dass weniger Job-Stress viel weniger bewirken würde als zum Beispiel ein Rauchstopp.
Design
IPD-Work: Einzeldaten aus 13 europäischen Kohorten, 197.473 Beschäftigte ohne koronare Herzkrankheit, im Mittel 7,5 Jahre.
Ergebnis
Hazard Ratio 1,23. Anteil der Fälle, der Job-Strain zugeschrieben wird: 3,4 %.
Einordnung
In veröffentlichten Studien war der Effekt größer als in unveröffentlichten, ein Hinweis auf Publikationsverzerrung.
Quelle: Kivimäki M et al. (IPD-Work) Job strain as a risk factor for coronary heart disease. Lancet 2012;380:1491–1497. doi:10.1016/S0140-6736(12)60994-5
Ganzer KörperWahrscheinlichMetaanalyse von Beobachtungsstudien
Viel Sitzen? Viel Bewegung scheint es auszugleichen
Bei Menschen, die sich sehr viel bewegten (etwa 60–75 Minuten mäßig intensiv pro Tag), war langes Sitzen offenbar nicht mehr mit höherer Sterblichkeit verbunden. Wer viel saß und sich kaum bewegte, hatte das höchste Risiko.
Design
Metaanalyse von 13 Kohortenstudien, 1.005.791 Personen.
Ergebnis
Mehr als 8 Stunden Sitzen bei sehr hoher Aktivität: Hazard Ratio 1,04 gegenüber unter 4 Stunden Sitzen bei höchster Aktivität. Mehr als 8 Stunden Sitzen bei sehr wenig Aktivität: 1,59.
Achtung
Bei 5 Stunden Fernsehen pro Tag oder mehr blieb das Risiko auch bei hoher Aktivität erhöht. Beobachtungsdaten.
Quelle: Ekelund U et al. Does physical activity attenuate, or even eliminate, the detrimental association of sitting time with mortality? Lancet 2016;388:1302–1310. doi:10.1016/S0140-6736(16)30370-1
Büroangestellte mit höhenverstellbarem Tisch, Schulung und Feedback saßen nach 12 Monaten etwa 83 Minuten pro Arbeitstag weniger. Ob das Krankheiten verhindert, hat die Studie nicht untersucht.
Design
Cluster-randomisierte Studie, 37 Büro-Cluster, 146 Büroangestellte eines Klinikverbunds in Leicester (England), 12 Monate.
Ergebnis
Sitzzeit bei der Arbeit nach 12 Monaten −83 Minuten pro Arbeitstag gegenüber der Kontrollgruppe.
Einordnung
Untersucht wurde das Gesamtpaket aus Tisch, Schulung und Coaching. Gemessen wurden Verhalten und Selbstauskünfte, keine Krankheiten.
Quelle: Edwardson CL et al. (SMArT Work) Effectiveness of the Stand More AT Work intervention. BMJ 2018;363:k3870. doi:10.1136/bmj.k3870
Pflegerinnen, die 10 Jahre oder länger im Wechselschichtdienst mit Nachtschichten arbeiteten, hatten ein etwas erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit. Laut Autoren ist der absolute Anstieg klein.
Design
Zwei Kohorten (Nurses’ Health Studies), 189.158 anfangs gesunde Frauen, 24 Jahre.
Ergebnis
10 Jahre oder mehr Wechselschicht: Hazard Ratio 1,18 bzw. 1,15.
Einordnung
Nur Frauen in der Pflege, Beobachtungsdaten.
Quelle: Vetter C et al. Association between rotating night shift work and risk of coronary heart disease among women. JAMA 2016;315:1726–1734. doi:10.1001/jama.2016.4454
Achtsamkeitsprogramme verringerten Angst, Depressivität und Schmerz um ein kleines bis mittleres Maß. Hinweise, dass sie besser als Sport, Medikamente oder andere Therapien waren, fanden sich nicht.
Design
Metaanalyse von 47 randomisierten Studien mit 3.515 Teilnehmenden.
Ergebnis
Achtsamkeitsprogramme nach 8 Wochen: Effektstärke Angst 0,38, Depression 0,30; nach 3–6 Monaten 0,22 bzw. 0,23; Schmerz 0,33 (jeweils moderate Evidenz).
Einordnung
Für Schlaf, Gewicht und Aufmerksamkeit fand sich keine oder unzureichende Evidenz.
Quelle: Goyal M et al. Meditation programs for psychological stress and well-being. JAMA Intern Med 2014;174:357–368. doi:10.1001/jamainternmed.2013.13018