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9,1 %
der Menschen weltweit hatten 2017 Schätzungen zufolge eine chronische Nierenkrankheit (alle Stadien und Altersgruppen; Global-Burden-of-Disease-Studie).
GBD Chronic Kidney Disease Collaboration. Global, regional, and national burden of chronic kidney disease, 1990–2017: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2017. Lancet 2020;395:709–733Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int 2024;105(4S):S117-S314
Belegte Aussagen
Gut belegtLeitlinie + randomisierte Studien
SGLT2-Hemmer bei chronischer Nierenkrankheit
In zwei großen Studien schritt die Nierenkrankheit unter diesen Medikamenten seltener fort als unter Placebo, bei Menschen mit und ohne Diabetes. Einsatz nur nach ärztlicher Rücksprache.
Design
DAPA-CKD: 4.304 Menschen mit chronischer Nierenkrankheit (eGFR 25–75 ml/min/1,73 m², Albumin-Kreatinin-Quotient 200–5.000 mg/g), Dapagliflozin 10 mg oder Placebo, im Median 2,4 Jahre. EMPA-KIDNEY: 6.609 Menschen mit chronischer Nierenkrankheit, Empagliflozin 10 mg oder Placebo, im Median 2,0 Jahre.
Ergebnis
DAPA-CKD: Verschlechterung der Nierenfunktion um mindestens 50 %, Nierenversagen oder Tod durch Nieren- oder Herz-Kreislauf-Ursachen bei 9,2 % gegenüber 14,5 % (Hazard Ratio 0,61). EMPA-KIDNEY: Fortschreiten der Nierenkrankheit oder Herz-Kreislauf-Tod bei 13,1 % gegenüber 16,9 % (Hazard Ratio 0,72).
Einordnung
Die KDIGO-Leitlinie 2024 empfiehlt SGLT2-Hemmer für Erwachsene mit chronischer Nierenkrankheit ab einer eGFR von 20 und einem Albumin-Kreatinin-Quotienten ab 200 mg/g oder bei Herzschwäche (1A), ebenso bei Typ-2-Diabetes und eGFR ab 20 (1A); bei eGFR 20–45 und niedrigem Albumin wird ein Einsatz vorgeschlagen (2B). DAPA-CKD wurde von AstraZeneca finanziert, EMPA-KIDNEY von Boehringer Ingelheim und Eli Lilly.
Quelle: Heerspink HJL, Stefánsson BV, Correa-Rotter R et al. Dapagliflozin in Patients with Chronic Kidney Disease. N Engl J Med 2020;383(15):1436-1446. doi:10.1056/NEJMoa2024816
Quelle: The EMPA-KIDNEY Collaborative Group; Herrington WG, Staplin N et al. Empagliflozin in Patients with Chronic Kidney Disease. N Engl J Med 2023;388(2):117-127. doi:10.1056/NEJMoa2204233
Quelle: Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int 2024;105(4S):S117-S314. doi:10.1016/j.kint.2023.10.018
Bei Menschen mit chronischer Nierenkrankheit verlangsamte gezieltes Mehrtrinken den Rückgang der Nierenfunktion nach einem Jahr nicht.
Design
631 Erwachsene mit chronischer Nierenkrankheit Stadium 3 (eGFR 30–60 ml/min/1,73 m²) mit erhöhtem Albumin im Urin und einer Urinmenge unter 3 Litern pro Tag in 9 Zentren in Ontario, Kanada. Eine Gruppe wurde angeleitet, mehr Wasser zu trinken, die andere, bei der gewohnten Menge zu bleiben; 12 Monate.
Ergebnis
Die Urinmenge stieg in der Trinkgruppe um 0,6 Liter pro Tag mehr. Die eGFR sank um 2,2 gegenüber 1,9 ml/min/1,73 m²; der Unterschied von −0,3 war nicht signifikant (P = 0,74).
Einordnung
Beobachtungsstudien hatten einen Zusammenhang zwischen höherer Trinkmenge und besserer Nierenfunktion gezeigt. Die Autoren halten ihre Studie möglicherweise für zu klein, um einen klinisch wichtigen Unterschied zu erkennen. Die Studie wurde von Danone Research mitfinanziert; mehrere Autoren erhielten Zuwendungen von Danone.
Quelle: Clark WF, Sontrop JM, Huang SH et al. Effect of Coaching to Increase Water Intake on Kidney Function Decline in Adults With Chronic Kidney Disease: The CKD WIT Randomized Clinical Trial. JAMA 2018;319(18):1870-1879. doi:10.1001/jama.2018.4930
Die internationale Nierenleitlinie rät, Menschen mit Risikofaktoren auf Albumin im Urin und auf die Filterleistung (eGFR) zu testen. Vorrangig gilt das bei Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Design
Praxis-Empfehlung der KDIGO-Leitlinie 2024 (Expertenurteil, kein formaler Evidenzgrad).
Ergebnis
Getestet werden sollen beide Werte. Bei Diabetes empfehlen ADA und KDIGO eine jährliche Untersuchung, bei Typ-2-Diabetes ab der Diagnose, bei Typ-1-Diabetes ab 5 Jahre nach der Diagnose. Ein auffälliger Einzelwert soll wiederholt werden.
Einordnung
Laut Leitlinie wissen weltweit nur 6 % der Allgemeinbevölkerung und 10 % der Risikogruppen um ihren Nierenstatus. Für die Testhäufigkeit bei Risikopersonen allgemein gibt es keine evidenzbasierte Empfehlung; bei Diabetes rät ein Konsens zu jährlichen Tests.
Quelle: Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int 2024;105(4S):S117-S314. doi:10.1016/j.kint.2023.10.018
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) und akutes Nierenversagen
Wer aktuell NSAR einnahm, hatte in Beobachtungsstudien häufiger ein akutes Nierenversagen, auch bei bestehender Nierenkrankheit. Dauerhafte Einnahme bei Nierenerkrankung nur nach ärztlicher Rücksprache.
Design
Metaanalyse von 10 bevölkerungsbezogenen Beobachtungsstudien (Literatursuche bis Juni 2016), davon 5 mit Daten zu Menschen mit chronischer Nierenkrankheit.
Ergebnis
Odds Ratio für akutes Nierenversagen bei aktueller NSAR-Einnahme 1,73 in der Allgemeinbevölkerung und 1,63 bei chronischer Nierenkrankheit. Eine zweite Metaanalyse von 5 Kohortenstudien in der Allgemeinbevölkerung fand für einzelne klassische NSAR ähnliche Werte (gepoolte relative Risiken 1,58 bis 2,11) ohne signifikante Unterschiede untereinander.
Einordnung
Beobachtungsdaten zeigen einen Zusammenhang, keinen sicheren Ursachenbeweis. Absolute Risiken ließen sich nicht berechnen, weil keine Studie das Grundrisiko angab.
Quelle: Zhang X, Donnan PT, Bell S, Guthrie B. Non-steroidal anti-inflammatory drug induced acute kidney injury in the community dwelling general population and people with chronic kidney disease: systematic review and meta-analysis. BMC Nephrol 2017;18(1):256. doi:10.1186/s12882-017-0673-8
Quelle: Ungprasert P, Cheungpasitporn W, Crowson CS, Matteson EL. Individual non-steroidal anti-inflammatory drugs and risk of acute kidney injury: A systematic review and meta-analysis of observational studies. Eur J Intern Med 2015;26(4):285-291. doi:10.1016/j.ejim.2015.03.008
Bei chronischer Nierenkrankheit mit erhöhtem Albumin im Urin empfiehlt die Leitlinie diese Medikamente (eGFR-Stufen G1–G4), mit oder ohne Diabetes und in mehreren Fällen auch ohne Bluthochdruck. Einsatz nur nach ärztlicher Rücksprache.
Design
Empfehlungen der KDIGO-Leitlinie 2024, übernommen aus den KDIGO-Leitlinien zu Blutdruck (2021) und Diabetes (2022).
Ergebnis
Empfohlen (1B) bei stark erhöhtem Albumin (A3) ohne Diabetes und bei mäßig bis stark erhöhtem Albumin (A2 und A3) mit Diabetes; vorgeschlagen (2C) bei mäßig erhöhtem Albumin (A2) ohne Diabetes. Kombinationen von ACE-Hemmer, Sartan und Renin-Hemmer sollen vermieden werden (1B).
Einordnung
Blutdruck, Kreatinin und Kalium sollen 2–4 Wochen nach Beginn oder Dosiserhöhung kontrolliert werden.
Quelle: Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int 2024;105(4S):S117-S314. doi:10.1016/j.kint.2023.10.018
Blutdruck unter 120: gut fürs Herz, für die Niere unklar
Bei Nierenkrankheit und hohem Blutdruck schlägt die Leitlinie einen systolischen (oberen) Zielwert unter 120 mmHg vor, sofern vertragen und standardisiert in der Praxis gemessen, vor allem wegen weniger Herz-Kreislauf-Ereignissen. Ein deutlich geringeres Risiko für Nierenversagen haben Studien nicht gezeigt.
Design
Empfehlung der KDIGO-Leitlinie 2024, gestützt vor allem auf die SPRINT-Studie (Zielwert unter 120 gegenüber 140 mmHg, standardisierte Praxismessung).
Ergebnis
In SPRINT seltener schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse (Hazard Ratio 0,75), mit ähnlichem relativem Nutzen bei Menschen mit und ohne Nierenkrankheit.
Einordnung
Für Nierenversagen als Endpunkt fehlt ein Nutzennachweis aus randomisierten Studien.
Quelle: Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int 2024;105(4S):S117-S314. doi:10.1016/j.kint.2023.10.018
In Studien über bis zu 36 Wochen senkte weniger Salz bei Nierenkranken den Blutdruck und das Albumin im Urin. Ob dadurch auch Nierenversagen seltener wird, wurde in Langzeitstudien nicht geprüft.
Design
Empfehlung der KDIGO-Leitlinie 2024 auf Basis randomisierter Studien mit Ersatzmesswerten (Blutdruck, Albumin im Urin).
Ergebnis
Vorgeschlagen werden weniger als 2 g Natrium pro Tag, entsprechend weniger als 5 g Kochsalz. Weltweit liegt die durchschnittliche Aufnahme bei geschätzt 4.310 mg Natrium (10,78 g Salz) pro Tag.
Einordnung
Die Empfehlung gilt nach der Leitlinie unter Umständen nicht bei salzverlierenden Nierenerkrankungen, Mangelernährung oder extremer Hitze.
Quelle: Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int 2024;105(4S):S117-S314. doi:10.1016/j.kint.2023.10.018