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Wer aktuell raucht, stirbt rund 25-mal so häufig an Lungenkrebs wie Menschen, die nie geraucht haben (relatives Risiko 25,66 bei Frauen, 24,97 bei Männern; US-Kohorten 2000–2010, Teilnehmende, die im Beobachtungszeitraum mindestens 55 Jahre alt waren).
Thun MJ et al. 50-year trends in smoking-related mortality in the United States. N Engl J Med 2013;368:351–364
Belegte Aussagen
Gut belegtRandomisierte Studie
Rauchstopp: langsamerer Verlust an Lungenfunktion
Bei leichter bis mittelschwerer COPD verloren Menschen, die dauerhaft aufhörten, danach nur halb so schnell Lungenfunktion wie Weiterrauchende (Vergleich nach tatsächlichem Rauchverhalten, nicht nach Losgruppe). Das zugeloste Rauchstopp-Programm senkte die Sterblichkeit.
Design
Lung Health Study, 10 Zentren in den USA und Kanada: Rauchende mit leichter bis mittelschwerer Atemwegsverengung, zufällig einem Rauchstopp-Programm (10 Wochen, u. a. Nikotinkaugummi) oder üblicher Versorgung zugeteilt. Lungenfunktion 5 Jahre lang jährlich gemessen (3.926 Teilnehmende, Durchschnittsalter 48,5 Jahre); Sterblichkeit bei 5.887 Teilnehmenden bis zu 14,5 Jahre verfolgt.
Ergebnis
Im Jahr nach dem Aufhören stieg die Einsekundenkapazität (FEV1) im Mittel um 47 ml. Danach sank sie bei dauerhaft Rauchfreien halb so schnell wie bei Weiterrauchenden (31 vs. 62). Sterblichkeit: 8,83 vs. 10,38 Todesfälle pro 1.000 Personenjahre (Programm vs. übliche Versorgung).
Einordnung
Der Lungenfunktions-Vergleich erfolgte nach tatsächlichem Rauchverhalten, nicht nach Losgruppe. Nach 5 Jahren waren 21,7 % der Programmgruppe rauchfrei, in der üblichen Versorgung 5,4 %.
Quelle: Scanlon PD et al. Smoking cessation and lung function in mild-to-moderate chronic obstructive pulmonary disease. The Lung Health Study. Am J Respir Crit Care Med 2000;161:381–390. doi:10.1164/ajrccm.161.2.9901044
Quelle: Anthonisen NR et al. The effects of a smoking cessation intervention on 14.5-year mortality: a randomized clinical trial. Ann Intern Med 2005;142:233–239. doi:10.7326/0003-4819-142-4-200502150-00005
Bei Rauchenden und Ex-Rauchenden mit hohem Lungenkrebsrisiko senkte regelmäßiges Niedrigdosis-CT die Lungenkrebs-Sterblichkeit um 20 % gegenüber Röntgenaufnahmen (NLST, USA) bzw. um 24 % gegenüber keiner Untersuchung (NELSON, Männer). Im NLST waren die meisten auffälligen Befunde falscher Alarm.
Design
NLST: 53.454 Menschen mit hohem Lungenkrebsrisiko an 33 US-Zentren, drei jährliche Untersuchungen mit Niedrigdosis-CT oder Röntgenbild der Lunge. NELSON (Niederlande, Belgien): 13.195 Männer und 2.594 Frauen (50–74 Jahre), aktuelle und ehemalige Rauchende; CT zu Beginn sowie nach 1, 3 und 5,5 Jahren oder keine Untersuchung; mindestens 10 Jahre Nachbeobachtung.
Ergebnis
NLST: 247 vs. 309 Lungenkrebs-Todesfälle pro 100.000 Personenjahre, relative Senkung 20,0 %; Gesamtsterblichkeit 6,7 % niedriger. NELSON, Männer: Rate Ratio 0,76 nach 10 Jahren (also 24 % weniger Lungenkrebs-Todesfälle); Frauen: 0,67, statistisch unsicher (95-%-Konfidenzintervall 0,38–1,14).
Einordnung
Im NLST waren 96,4 % der auffälligen CT-Befunde falsch positiv. Untersucht wurden nur Menschen mit hohem Risiko.
Quelle: National Lung Screening Trial Research Team. Reduced lung-cancer mortality with low-dose computed tomographic screening. N Engl J Med 2011;365:395–409. doi:10.1056/NEJMoa1102873
Quelle: de Koning HJ et al. Reduced lung-cancer mortality with volume CT screening in a randomized trial. N Engl J Med 2020;382:503–513. doi:10.1056/NEJMoa1911793
Mindestens vier Wochen Bewegungstraining, mit oder ohne Schulung, linderte bei COPD Atemnot und Erschöpfung und verbesserte die Lebensqualität spürbar. Die 6-Minuten-Gehstrecke stieg im Mittel um rund 44 Meter.
Design
65 randomisierte Studien mit 3.822 Menschen mit COPD (Durchschnittsalter rund 62 Jahre), Lungenreha vs. übliche Versorgung. Programme meist 8 oder 12 Wochen lang, Spanne 4 bis 52 Wochen.
Ergebnis
Atemnot (CRQ-Fragebogen) +0,79 Punkte, Erschöpfung +0,68 Punkte, beides über der Schwelle für eine spürbare Verbesserung (0,5). 6-Minuten-Gehtest +43,9 m.
Einordnung
Eine Verblindung war nicht möglich; die Evidenzqualität war je nach Endpunkt niedrig bis moderat. Die Autoren halten weitere Vergleichsstudien gegen übliche Versorgung nicht mehr für nötig. Bei der Erschöpfung war die Evidenzqualität niedrig.
Quelle: McCarthy B et al. Pulmonary rehabilitation for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev 2015;(2):CD003793. doi:10.1002/14651858.CD003793.pub3
Bei Rauchenden führten E-Zigaretten mit Nikotin häufiger zu einem Rauchstopp von mindestens sechs Monaten als Nikotinersatztherapie: etwa 4 zusätzliche Rauchfreie pro 100. Die Langzeitsicherheit ist noch nicht abschließend geklärt.
Design
Fortlaufend aktualisierte Cochrane-Übersicht (Literatursuche bis 1. Januar 2026): 80 randomisierte Studien mit 29.861 Rauchenden. Vergleich mit Nikotinersatztherapie: 11 Studien, 4.114 Teilnehmende.
Ergebnis
Relatives Risiko für einen Rauchstopp 1,61 gegenüber Nikotinersatztherapie (hohe Vertrauenswürdigkeit der Evidenz). Schwere Nebenwirkungen waren vermutlich ähnlich häufig.
Einordnung
Kein Hinweis auf ernste kurzfristige Schäden; für die Langzeitsicherheit sind längere, größere Studien nötig. Untersucht wurden regulierte nikotinhaltige Produkte; illegale oder THC-haltige Produkte können andere Risiken haben. 41 von 80 Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko.
Quelle: Lindson N et al. Electronic cigarettes for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 2026;(8):CD010216. doi:10.1002/14651858.CD010216.pub11
Beta-Carotin schützt Rauchende nicht vor Lungenkrebs
Bei rauchenden Männern traten mit Beta-Carotin als Nahrungsergänzung 18 % mehr Lungenkrebsfälle auf als ohne. Vitamin E senkte das Lungenkrebsrisiko nicht.
Design
29.133 rauchende Männer (50–69 Jahre) in Südwestfinnland; täglich Vitamin E (50 mg), Beta-Carotin (20 mg), beides oder Placebo; 5 bis 8 Jahre Nachbeobachtung.
Ergebnis
Beta-Carotin: Lungenkrebs-Häufigkeit +18 % (95-%-Konfidenzintervall +3 bis +36 %), Gesamtsterblichkeit +8 %. Vitamin E: Lungenkrebs −2 % (nicht signifikant), mehr Todesfälle durch hämorrhagischen Schlaganfall.
Einordnung
Ergebnis gilt für rauchende Männer und hoch dosierte Präparate.
Quelle: Alpha-Tocopherol, Beta Carotene Cancer Prevention Study Group. The effect of vitamin E and beta carotene on the incidence of lung cancer and other cancers in male smokers. N Engl J Med 1994;330:1029–1035. doi:10.1056/NEJM199404143301501
Bei COPD senkte eine Grippeimpfung mit inaktiviertem Impfstoff die Zahl der Krankheitsschübe (Exazerbationen). Die Studienlage ist klein und älter.
Design
11 randomisierte Studien mit 6.750 Teilnehmenden, davon 6 Studien mit 2.469 Menschen mit COPD; Großbritannien, USA, Thailand. Impfung vs. Placebo.
Ergebnis
Im Mittel 0,37 Schübe weniger pro geimpfter Person (2 Studien, 180 Teilnehmende), vor allem durch weniger Schübe ab drei bis vier Wochen nach der Impfung. Mehr leichte, vorübergehende Reaktionen an der Einstichstelle.
Einordnung
Niedrige Evidenzqualität; alle Studien sind mehr als zehn Jahre alt. Für Aussagen zur Sterblichkeit waren die Studien zu klein.
Quelle: Kopsaftis Z et al. Influenza vaccine for chronic obstructive pulmonary disease (COPD). Cochrane Database Syst Rev 2018;(6):CD002733. doi:10.1002/14651858.CD002733.pub3