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−19 %
relativ weniger Darmkrebs nach 13 Jahren (1,46 % statt 1,80 %) bei Einladung zu einer einzigen Vorsorge-Darmspiegelung; die Darmkrebs-Sterblichkeit sank nicht statistisch gesichert (NordICC).
Kaminski MF et al. Long-term effects of colonoscopy screening on colorectal cancer incidence and mortality: a multicountry, population-based randomised controlled trial. Lancet 2026;407:1787-1795
Belegte Aussagen
Gut belegtRandomisierte Studie
Einmalige Vorsorge-Darmspiegelung: weniger Darmkrebs
Wer zu einer einzigen Darmspiegelung eingeladen wurde, erkrankte in 13 Jahren seltener an Darmkrebs (1,46 % gegenüber 1,80 % ohne Einladung). Bei der Darmkrebs-Sterblichkeit war der Unterschied bisher nicht statistisch gesichert.
Design
Randomisierte Studie (NordICC) mit 84.583 Männern und Frauen von 55 bis 64 Jahren aus Norwegen, Polen und Schweden; im Verhältnis 1:2 Einladung zu einer Darmspiegelung oder keine Vorsorge. 42,0 % der Eingeladenen ließen die Darmspiegelung machen (Stand 10-Jahres-Auswertung).
Ergebnis
Nach 13 Jahren, alle Eingeladenen (Intention-to-screen): Darmkrebs Risikoverhältnis 0,81 (95-%-KI 0,71–0,90), Darmkrebs-Tod 0,88 (0,68–1,08). Geschätzter Effekt bei tatsächlicher Teilnahme (Per-Protocol): Darmkrebs 0,55 (0,33–0,81), Darmkrebs-Tod 0,70 (0,26–1,25). Nach 10 Jahren: 18 % weniger Darmkrebs (0,98 % gegenüber 1,20 %); 455 Einladungen, um einen Darmkrebsfall zu verhindern; Gesamtsterblichkeit unverändert (Risikoverhältnis 0,99).
Einordnung
„Gut belegt“ gilt für die Zahl der Neuerkrankungen, nicht für die Sterblichkeit. Die Per-Protocol-Werte zeigen den möglichen Effekt bei tatsächlicher Teilnahme, sind aber anfälliger für Verzerrung als der Vergleich aller Eingeladenen. Die Darmkrebs-Sterblichkeit ohne Vorsorge war niedriger als bei Studienplanung erwartet (0,47 % statt 0,82 %). Komplikationen: 15 schwere Blutungen nach Polypenentfernung, keine Darmdurchbrüche.
Quelle: Kaminski MF et al. Long-term effects of colonoscopy screening on colorectal cancer incidence and mortality: a multicountry, population-based randomised controlled trial. Lancet 2026;407:1787-1795. doi:10.1016/S0140-6736(26)00508-8
Quelle: Bretthauer M et al. Effect of Colonoscopy Screening on Risks of Colorectal Cancer and Related Death. N Engl J Med 2022;387:1547-1556. doi:10.1056/NEJMoa2208375
Wiederholte Stuhltests auf verstecktes Blut senkten in randomisierten Studien das relative Risiko, an Darmkrebs zu sterben, um 16 %. Bei Menschen, die mindestens einmal teilnahmen, waren es 25 %.
Design
Cochrane-Übersicht über 4 randomisierte Studien (dazu 2 kontrollierte Studien) mit zusammen über 320.000 Teilnehmenden; Stuhltest (Hemoccult, Guajak-Test) mehrfach gegenüber keinem Screening; Nachbeobachtung 8–18 Jahre.
Ergebnis
Darmkrebs-Sterblichkeit: Risikoverhältnis 0,84 (95-%-KI 0,78–0,90) für alle zum Screening Eingeteilten; 0,75 (0,66–0,84) für Menschen, die an mindestens einer Runde teilnahmen; 0,85 (0,78–0,92) bei Test alle 2 Jahre.
Einordnung
Untersucht wurde der ältere Guajak-Test; heute wird meist der immunologische Stuhltest (FIT) verwendet. Mögliche Nachteile laut Übersicht: falsch-positive Ergebnisse, Komplikationen der Darmspiegelung, Überdiagnosen.
Quelle: Hewitson P et al. Screening for colorectal cancer using the faecal occult blood test, Hemoccult. Cochrane Database Syst Rev 2007;(1):CD001216. doi:10.1002/14651858.CD001216.pub2
Viele Ballaststoffe hängen in Beobachtungsstudien mit einem um 15–30 % geringeren Risiko für mehrere Erkrankungen zusammen, darunter Darmkrebs. Die größte Risikominderung über mehrere Endpunkte zeigte sich bei 25–29 g Ballaststoffen pro Tag. Höhere Mengen waren in Dosis-Wirkungs-Analysen eher noch günstiger.
Design
Reihe systematischer Übersichten: 185 prospektive Beobachtungsstudien (knapp 135 Millionen Personenjahre) und 58 klinische Studien mit 4.635 Erwachsenen; Menschen mit chronischen Erkrankungen ausgeschlossen.
Ergebnis
Beobachtungsstudien: 15–30 % weniger Gesamt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Typ-2-Diabetes und Darmkrebs bei höchster gegenüber niedrigster Ballaststoffzufuhr. Klinische Studien: niedrigeres Körpergewicht, niedrigerer systolischer Blutdruck und niedrigeres Gesamtcholesterin bei höherer Ballaststoffzufuhr.
Einordnung
Der Darmkrebs-Befund stammt aus Beobachtungsdaten (Zusammenhang, kein Beweis); die randomisierten Studien untersuchten Risikofaktoren wie Gewicht, Blutdruck und Cholesterin. Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für Ballaststoffe: mittel (GRADE).
Quelle: Reynolds A et al. Carbohydrate quality and human health: a series of systematic reviews and meta-analyses. Lancet 2019;393:434-445. doi:10.1016/S0140-6736(18)31809-9
Viel rotes und verarbeitetes Fleisch (z. B. Wurst) hängt mit einem höheren Darmkrebsrisiko zusammen. Je 50 g verarbeitetes Fleisch mehr pro Tag lag das Risiko relativ um rund 18 % höher.
Design
Metaanalyse prospektiver Beobachtungsstudien (Literatur bis März 2011).
Ergebnis
Höchster gegenüber niedrigstem Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch: Risikoverhältnis 1,22 (95-%-KI 1,11–1,34); je 100 g/Tag mehr: 1,14 (1,04–1,24). Frisches rotes Fleisch je 100 g/Tag: 1,17 (1,05–1,31); verarbeitetes Fleisch je 50 g/Tag: 1,18 (1,10–1,28).
Einordnung
Beobachtungsdaten; ein Zusammenhang, kein Beweis für Ursache und Wirkung. Der Risikoanstieg flachte ab etwa 140 g/Tag ab. Insgesamt waren die Zusammenhänge für Dick- und Enddarmkrebs ähnlich; bei getrennter Betrachtung von frischem und verarbeitetem Fleisch zeigte sich für Enddarmkrebs kein signifikanter Zusammenhang.
Quelle: Chan DS et al. Red and processed meat and colorectal cancer incidence: meta-analysis of prospective studies. PLoS One 2011;6:e20456. doi:10.1371/journal.pone.0020456
Körperliche Aktivität hängt mit einem geringeren Dickdarmkrebsrisiko zusammen – bei Männern und Frauen ähnlich (Risikoverhältnis insgesamt 0,76). In Kohortenstudien war der Zusammenhang schwächer (0,83).
Design
Metaanalyse von 52 Beobachtungsstudien (Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien) zu körperlicher Aktivität und Dickdarmkrebs, Literatur bis Juni 2008.
Täglich 100 mg ASS senkte bei Menschen ab 70 Jahren das Darmkrebsrisiko nicht. Todesfälle durch Darmkrebs waren in der ASS-Gruppe häufiger (35 gegenüber 20); wegen vieler Einzelauswertungen kann das laut Autoren auch Zufall sein. Einnahme oder Absetzen nur nach ärztlicher Rücksprache.
Design
Doppelblinde, placebokontrollierte Studie (ASPREE) mit 19.114 Menschen in Australien und den USA ab 70 Jahren (Minderheiten in den USA ab 65) ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung, Demenz oder körperliche Behinderung; täglich 100 mg ASS oder Placebo; mediane Nachbeobachtung 4,7 Jahre.
Ergebnis
Darmkrebs-Neuerkrankungen: 139 (ASS) gegenüber 137 (Placebo), Hazard Ratio 1,02 (95-%-KI 0,81–1,30). Darmkrebs-Todesfälle: 35 gegenüber 20, Hazard Ratio 1,77 (1,02–3,06). Alle Krebsarten zusammen: Hazard Ratio 1,04 (0,95–1,14).
Einordnung
Frühere Studien mit überwiegend jüngeren Menschen hatten einen verzögerten Schutzeffekt von ASS gegen Krebs gezeigt; für Ältere zeigte ASPREE diesen nicht. Krebs war ein vorab festgelegter sekundärer Endpunkt. Rund 4,7 Jahre Beobachtung reichen nicht, um einen späten Schutzeffekt auszuschließen.
Quelle: McNeil JJ et al. Effect of Aspirin on Cancer Incidence and Mortality in Older Adults. J Natl Cancer Inst 2021;113:258-265. doi:10.1093/jnci/djaa114
Jemals geraucht zu haben (gegenüber nie) hängt mit einem höheren Risiko zusammen, an Darmkrebs zu erkranken (1,18-fach) und daran zu sterben (1,25-fach). Bei der Neuerkrankung war der Zusammenhang erst nach 30 Jahren Rauchen statistisch gesichert.
Design
Metaanalyse von 106 Beobachtungsstudien zur Neuerkrankung (davon 26 mit adjustierten Schätzwerten für jemals gegenüber nie Rauchende) und 17 Kohortenstudien zur Sterblichkeit (Literatur bis Mai 2008).
Ergebnis
Jemals gegenüber nie Rauchende: Neuerkrankung Risikoverhältnis 1,18 (95-%-KI 1,11–1,25), entspricht 10,8 zusätzlichen Fällen pro 100.000 Personenjahre; Sterblichkeit 1,25 (1,14–1,37), entspricht 6,0 zusätzlichen Todesfällen pro 100.000 Personenjahre. Bei der Neuerkrankung: je mehr Packungsjahre und Zigaretten pro Tag, desto höher das Risiko.
Einordnung
Beobachtungsdaten; Zusammenhang, kein Beweis. Der Zusammenhang war für Enddarmkrebs stärker als für Dickdarmkrebs. Die Studie untersucht nicht direkt den Effekt eines Rauchstopps.
Quelle: Botteri E et al. Smoking and colorectal cancer: a meta-analysis. JAMA 2008;300:2765-2778. doi:10.1001/jama.2008.839