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30 %
Rund 30 % der Menschen weltweit haben eine Fettleber, die nicht durch Alkohol bedingt ist (früher NAFLD, heute MASLD genannt). Auswertung von 92 Bevölkerungsstudien mit rund 9,4 Millionen Menschen; der Anteil steigt. Studien von 1990 bis 2019, damals noch als NAFLD definiert.
Younossi ZM et al. The global epidemiology of nonalcoholic fatty liver disease (NAFLD) and nonalcoholic steatohepatitis (NASH): a systematic review. Hepatology 2023;77:1335–1347European Association for the Study of the Liver (EASL), European Association for the Study of Diabetes (EASD), European Association for the Study of Obesity (EASO). EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). Obes Facts 2024;17:374–444
Belegte Aussagen
WahrscheinlichMetaanalyse von Beobachtungsstudien
Mehr Alkohol, steil steigendes Zirrhose-Risiko
Das Risiko für Leberzirrhose hängt eng mit der Trinkmenge zusammen und steigt steil an. Bei Frauen hing schon 1 Standardgetränk (12 g Alkohol) pro Tag mit höherem Risiko zusammen, ab 7 Getränken war es rund 25-mal so hoch wie bei langjährig Abstinenten.
Design
7 Kohorten- und 2 Fall-Kontroll-Studien mit 2.629.272 Teilnehmenden und 5.505 Zirrhose-Fällen; Vergleich mit langjährig Abstinenten. 1 Standardgetränk = 12 g reiner Alkohol. Ein Standardgetränk umfasst je nach Land 8–14 g; hier 12 g.
Ergebnis
Frauen: relatives Risiko 12,44 bei 5–6 und 24,58 bei 7 oder mehr Getränken pro Tag. Männer: 3,80 (statistisch unsicher) bzw. 6,93. Gelegentliches Trinken: kein erhöhtes Risiko.
Einordnung
Beobachtungsdaten mit großen Unterschieden zwischen den Studien; weitere Risikofaktoren spielen mit.
Quelle: Roerecke M et al. Alcohol consumption and risk of liver cirrhosis: a systematic review and meta-analysis. Am J Gastroenterol 2019;114:1574–1586. doi:10.14309/ajg.0000000000000340
Die europäische Leitlinie nennt als Ziel: mindestens 5 % Gewichtsabnahme, um das Leberfett zu senken, 7–10 % für die Entzündung und mindestens 10 % für die Vernarbung (Fibrose).
Design
Leitlinie von EASL, EASD und EASO (2024). Dazu eine prospektive Studie: 293 Menschen mit per Biopsie gesicherter Fettleberentzündung (NASH) in Havanna, Kuba; 52 Wochen Lebensstiländerung, Leberbiopsie vorher und nachher (261 gepaarte Biopsien).
Ergebnis
Nur 30 % erreichten mindestens 5 % Gewichtsverlust. Bei mindestens 10 % Gewichtsverlust war die Entzündung bei 90 % abgeheilt und die Fibrose bei 45 % zurückgegangen.
Einordnung
Die Studie hatte keine Vergleichsgruppe. Langzeitdaten zu Leberkomplikationen und Sterblichkeit fehlen laut Leitlinie noch.
Quelle: European Association for the Study of the Liver (EASL), European Association for the Study of Diabetes (EASD), European Association for the Study of Obesity (EASO). EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). Obes Facts 2024;17:374–444. doi:10.1159/000539371
Quelle: Vilar-Gomez E et al. Weight loss through lifestyle modification significantly reduces features of nonalcoholic steatohepatitis. Gastroenterology 2015;149:367–378.e5. doi:10.1053/j.gastro.2015.04.005
Bei Fettleberentzündung (MASH) mit mittlerer bis fortgeschrittener Fibrose heilte die Entzündung unter Semaglutid in einer Zwischenauswertung nach 72 Wochen häufiger ab als unter Placebo (63 % vs. 34 %), die Fibrose besserte sich öfter (37 % vs. 22 %); gemessen an Gewebeproben, Daten zu Leberkomplikationen fehlen noch. Nur nach ärztlicher Rücksprache.
Design
ESSENCE, Phase-3-Studie: 1.197 Menschen mit per Biopsie gesicherter MASH und Fibrose-Stadium 2 oder 3; Semaglutid 2,4 mg einmal wöchentlich oder Placebo (2:1), geplant 240 Wochen. Berichtet: Zwischenauswertung nach 72 Wochen bei den ersten 800 Teilnehmenden.
Ergebnis
Abheilen der Entzündung ohne Verschlechterung der Fibrose: 62,9 % vs. 34,3 %. Besserung der Fibrose ohne Verschlechterung der Entzündung: 36,8 % vs. 22,4 %. Gewicht −10,5 % vs. −2,0 %.
Einordnung
Zwischenergebnis anhand von Gewebeproben; die Studie läuft weiter. Magen-Darm-Nebenwirkungen waren unter Semaglutid häufiger. Finanziert vom Hersteller (Novo Nordisk).
Quelle: Sanyal AJ et al. Phase 3 trial of semaglutide in metabolic dysfunction-associated steatohepatitis. N Engl J Med 2025;392:2089–2099. doi:10.1056/NEJMoa2413258
Je 2 Tassen Kaffee mehr pro Tag hingen mit einem um 44 % niedrigeren Zirrhose-Risiko zusammen (relatives Risiko 0,56, also 1 − 0,56). Dass Kaffee die Ursache ist, ist nicht bewiesen.
Design
5 Kohorten- und 4 Fall-Kontroll-Studien mit 432.133 Teilnehmenden und 1.990 Zirrhose-Fällen.
Ergebnis
Relatives Risiko je 2 Tassen mehr pro Tag: 0,56 für Zirrhose, 0,62 für alkoholbedingte Zirrhose, 0,55 für Tod durch Zirrhose.
Einordnung
Beobachtungsdaten mit großen Unterschieden zwischen den Studien. Laut europäischer Leitlinie (2024) sind randomisierte Studien zu Kaffee und Leber selten und negativ oder ohne klares Ergebnis.
Quelle: Kennedy OJ et al. Systematic review with meta-analysis: coffee consumption and the risk of cirrhosis. Aliment Pharmacol Ther 2016;43:562–574. doi:10.1111/apt.13523
Quelle: European Association for the Study of the Liver (EASL), European Association for the Study of Diabetes (EASD), European Association for the Study of Obesity (EASO). EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). Obes Facts 2024;17:374–444. doi:10.1159/000539371
Ob Silymarin, ein Extrakt aus der Mariendistel, bei Fettleber nützt, ist unklar. Belastbare Ergebnisse gibt es nur zu Leberwerten im Blut; zu Sterblichkeit und Lebensqualität gibt es keine Daten.
Design
17 randomisierte Studien mit 2.069 Erwachsenen mit MASLD; Dauer 4 bis 48 Wochen.
Ergebnis
Silymarin allein vs. Placebo oder keine Behandlung: Leberwert ALT im Mittel 7,2 U/l niedriger (sehr unsichere Evidenz). Keine Studie berichtete Sterblichkeit oder Lebensqualität.
Einordnung
Die europäische Leitlinie (2024) empfiehlt Nahrungsergänzungs- und Pflanzenpräparate bei MASLD nicht, weil Wirksamkeit und Sicherheit nicht ausreichend belegt sind. Die wenigen kleinen Studien mit Gewebeproben konnten keine Besserung im Gewebe nachweisen.
Quelle: Wang C et al. Silymarin for adults with metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease. Cochrane Database Syst Rev 2025;(6):CD015524. doi:10.1002/14651858.CD015524.pub2
Quelle: European Association for the Study of the Liver (EASL), European Association for the Study of Diabetes (EASD), European Association for the Study of Obesity (EASO). EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). Obes Facts 2024;17:374–444. doi:10.1159/000539371
Bei Typ-2-Diabetes, Bauchfett mit einem weiteren Stoffwechsel-Risikofaktor oder auffälligen Leberwerten empfiehlt die europäische Leitlinie, gezielt nach Leberfibrose zu suchen, zuerst mit dem Blutwert-Score FIB-4. Ein Screening der gesamten Bevölkerung wird nicht empfohlen.
Design
Leitlinie von EASL, EASD und EASO (2024); Empfehlung mit Evidenzgrad 3, starke Empfehlung, Konsens.
Ergebnis
FIB-4 unter 1,3: niedriges Risiko für fortgeschrittene Fibrose, erneute Prüfung alle 1–3 Jahre. Darüber: weitere Abklärung, z. B. Elastografie (Messung der Lebersteifigkeit), oder bei Werten zwischen 1,3 und 2,67 zunächst ein Jahr intensivierte Lebensstil-Behandlung mit erneuter Prüfung.
Einordnung
Bisher hat keine randomisierte Studie gezeigt, dass diese Suche Krankheitsfolgen verringert. FIB-4 übersieht rund 10 % der fortgeschrittenen Fibrosen.
Quelle: European Association for the Study of the Liver (EASL), European Association for the Study of Diabetes (EASD), European Association for the Study of Obesity (EASO). EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). Obes Facts 2024;17:374–444. doi:10.1159/000539371
Die US Preventive Services Task Force empfiehlt allen beschwerdefreien Erwachsenen von 18 bis 79 Jahren ohne bekannte Lebererkrankung einen Hepatitis-C-Test. Nach Behandlung mit modernen antiviralen Mitteln war das Virus bei über 95 % nicht mehr nachweisbar.
Design
Empfehlung der US-Task-Force (Grad B) auf Basis eines systematischen Reviews: 8 randomisierte Studien, 48 weitere Behandlungsstudien und 33 Kohortenstudien mit zusammen 179.230 Teilnehmenden.
Ergebnis
Direkt wirkende antivirale Mittel: dauerhaftes Verschwinden des Virus (SVR) bei über 95 %, kurzfristig schwere Nebenwirkungen bei 1,9 %. Nach SVR war die Gesamtsterblichkeit niedriger (Hazard Ratio 0,40) und Leberkrebs seltener (Hazard Ratio 0,29).
Einordnung
Keine Studie hat Testen direkt mit Nicht-Testen verglichen. Die Zusammenhänge mit Sterblichkeit und Leberkrebs stammen aus Beobachtungsstudien. Empfehlung aus den USA.
Quelle: US Preventive Services Task Force. Screening for hepatitis C virus infection in adolescents and adults: US Preventive Services Task Force recommendation statement. JAMA 2020;323:970–975. doi:10.1001/jama.2020.1123
Quelle: Chou R et al. Screening for hepatitis C virus infection in adolescents and adults: updated evidence report and systematic review for the US Preventive Services Task Force. JAMA 2020;323(10):976. doi:10.1001/jama.2019.20788