Hier steht nur, was Studien am Menschen zeigen, mit Studientyp und Originalquelle. Keine Werbung, keine Produkte.
Was laut Studien hilft
Gut belegtStellungnahme Fachgesellschaft (AHA)
Omega-3 auf Rezept senkt stark erhöhte Triglyceride
Verschreibungspflichtige Omega-3-Präparate in hoher Dosis (4 g pro Tag) senken laut amerikanischer Herzgesellschaft Triglyceride wirksam und sicher. Bei sehr hohen Werten ab 500 mg/dl sanken sie um mindestens 30 %. Nur nach ärztlicher Rücksprache.
Design
Wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association (2019) zu arzneilichen Dosen von Omega-3-Fettsäuren (über 3 g EPA+DHA pro Tag).
Ergebnis
Bei sehr hohen Triglyceriden senkten 4 g pro Tag EPA+DHA die Werte um mindestens 30 %, dabei stieg LDL-Cholesterin; reines EPA erhöhte LDL nicht. Bei erhöhten Werten von 200-499 mg/dl senkten beide Varianten ähnlich und erhöhten LDL nicht.
Einordnung
Gemeint sind verschreibungspflichtige Präparate in arzneilicher Dosis. Ob sie Herzinfarkte verhindern, behandelt der Eintrag zu Omega-3 beim Herzen.
Quelle: Skulas-Ray AC, Wilson PWF, Harris WS et al. Omega-3 Fatty Acids for the Management of Hypertriglyceridemia: A Science Advisory From the American Heart Association. Circulation 2019;140(12):e673-e691. doi:10.1161/CIR.0000000000000709
Bei Typ-2-Diabetes ging strukturiertes Training (Ausdauer, Kraft oder beides) mit einem niedrigeren HbA1c-Wert einher. Mehr als 150 Minuten pro Woche gingen mit einer stärkeren Senkung einher. Reine Ratschläge zu mehr Bewegung gingen nur zusammen mit Ernährungsberatung mit niedrigerem HbA1c einher.
Design
Metaanalyse von 47 randomisierten Studien mit 8538 Menschen mit Typ-2-Diabetes; Dauer mindestens 12 Wochen.
Ergebnis
Strukturiertes Training: HbA1c im Mittel 0,67 Prozentpunkte niedriger als in Kontrollgruppen. Über 150 Minuten pro Woche: minus 0,89; 150 Minuten oder weniger: minus 0,36 Prozentpunkte.
Einordnung
Die Ergebnisse der Studien schwankten sehr stark (I² = 91,3 %). Die Arbeit gilt nur für Menschen mit Typ-2-Diabetes; für Menschen ohne Diabetes sagt sie nichts aus.
Quelle: Umpierre D, Ribeiro PA, Kramer CK et al. Physical activity advice only or structured exercise training and association with HbA1c levels in type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. JAMA 2011;305(17):1790-9. doi:10.1001/jama.2011.576
Lösliche Ballaststoffe senken LDL – aber nur wenig
Lösliche Ballaststoffe aus Hafer, Flohsamen oder Pektin senken Gesamt- und LDL-Cholesterin ähnlich stark, allerdings nur wenig. Etwa 3 g lösliche Ballaststoffe aus Hafer (3 Portionen Haferflocken à 28 g) senkten Gesamt- und LDL-Cholesterin um etwa 0,13 mmol/l.
Design
Metaanalyse von 67 kontrollierten Studien zu Pektin, Haferkleie, Guarkernmehl und Flohsamen.
Ergebnis
Bei 2-10 g löslichen Ballaststoffen pro Tag sank LDL-Cholesterin um 0,057 mmol/l je Gramm. Triglyceride und HDL veränderten sich nicht nennenswert.
Einordnung
Die Arbeit ist von 1999. Die Autoren schreiben, mehr lösliche Ballaststoffe könnten nur einen kleinen Beitrag zur Cholesterinsenkung leisten.
Quelle: Brown L, Rosner B, Willett WW, Sacks FM. Cholesterol-lowering effects of dietary fiber: a meta-analysis. Am J Clin Nutr 1999;69(1):30-42. doi:10.1093/ajcn/69.1.30
Pflanzensterine und -stanole senkten LDL-Cholesterin abhängig von der Menge: bei 0,6-3,3 g pro Tag im Mittel um 6-12 %. Ob das Herzinfarkte verhindert, hat diese Arbeit nicht untersucht. Einnahme nur nach ärztlicher Rücksprache.
Design
Metaanalyse von 124 randomisierten Studien; mittlere Dosis 2,1 g pro Tag.
Ergebnis
Der LDL-senkende Effekt nahm bis etwa 3 g pro Tag zu, auf im Mittel 12 %. Sterine und Stanole wirkten vergleichbar.
Einordnung
Zwei der drei Autoren arbeiteten in der Forschungsabteilung von Unilever. Unilever verkauft mit Pflanzensterinen angereicherte Lebensmittel. Untersucht wurde nur der Blutwert LDL, keine Erkrankungen.
Quelle: Ras RT, Geleijnse JM, Trautwein EA. LDL-cholesterol-lowering effect of plant sterols and stanols across different dose ranges: a meta-analysis of randomised controlled studies. Br J Nutr 2014;112(2):214-9. doi:10.1017/S0007114514000750
Sowohl kurzer als auch langer Schlaf hängt mit einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes zusammen. Am niedrigsten war das Risiko bei 7 bis 8 Stunden Schlaf pro Tag. Es handelt sich um Beobachtungsdaten; ob eine Änderung der Schlafdauer das Risiko senkt, zeigen sie nicht.
Design
Metaanalyse von 11 prospektiven Beobachtungsstudien (aus zehn Veröffentlichungen) mit 482.502 Teilnehmenden, von denen 18.443 an Typ-2-Diabetes erkrankten; Beobachtungszeit 2,5 bis 16 Jahre.
Ergebnis
U-förmiger Zusammenhang. Im Vergleich zu 7 Stunden Schlaf pro Tag: relatives Risiko 1,09 (95-%-KI 1,04–1,15) je Stunde weniger bei Menschen mit unter 7 Stunden Schlaf und 1,14 (1,03–1,26) je Stunde mehr bei Menschen mit langem Schlaf.
Einordnung
Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Die Autoren sehen darin einen Hinweis auf die Bedeutung angemessener Schlafdauer; ob mehr oder weniger Schlaf Diabetes tatsächlich verhindert, wurde nicht geprüft.
Quelle: Shan Z, Ma H, Xie M et al. Sleep duration and risk of type 2 diabetes: a meta-analysis of prospective studies. Diabetes Care 2015;38(3):529-537. doi:10.2337/dc14-2073
Berufstätige mit Stress bei der Arbeit (in den Studien als „Job-Strain“ gemessen) erkrankten in großen Beobachtungsstudien etwas häufiger an Typ-2-Diabetes. Eine Metaanalyse fand das vor allem bei Frauen, bei Männern nicht. Ein Zusammenhang beweist keine Ursache; ob weniger Arbeitsstress Diabetes verhindert, zeigen diese Daten nicht.
Design
Gepoolte Einzeldaten aus 13 europäischen Kohortenstudien mit 124.808 Erwachsenen ohne Diabetes, Beobachtung im Mittel 10,3 Jahre; dazu eine Metaanalyse von 18 prospektiven Studien mit 25 Kohorten.
Ergebnis
3703 Neuerkrankungen. Job-Strain gegenüber keinem Job-Strain: Hazard Ratio 1,15 (95-%-KI 1,06–1,25) nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und sozialem Status; 1,11 (1,00–1,23) nach zusätzlicher Berücksichtigung des Lebensstils. Metaanalyse: Rate-Verhältnis 1,16 (1,07–1,26), bei Frauen 1,35, bei Männern 0,84 (0,70–1,01).
Einordnung
Beobachtungsstudien können Ursache und Wirkung nicht sicher trennen. Nach Berücksichtigung des Lebensstils lag die Untergrenze des Vertrauensbereichs bei 1,00 – der Zusammenhang ist dort knapp. Die Metaanalyse enthält auch die IPD-Work-Daten; die beiden Quellen sind also nicht unabhängig voneinander. Die Autoren der Metaanalyse gaben keine Interessenkonflikte an.
Quelle: Nyberg ST, Fransson EI, Heikkilä K et al. Job strain as a risk factor for type 2 diabetes: a pooled analysis of 124,808 men and women. Diabetes Care 2014;37(8):2268-2275. doi:10.2337/dc13-2936
Quelle: Pena-Gralle APB, Talbot D, Duchaine CS et al. Job strain and effort-reward imbalance as risk factors for type 2 diabetes mellitus: A systematic review and meta-analysis of prospective studies. Scand J Work Environ Health 2022;48(1):5-20. doi:10.5271/sjweh.3987
Eisen-Test und Eisen-Einnahme in der Schwangerschaft ohne Beschwerden
Ob ein routinemäßiger Test auf Eisenmangel oder eine routinemäßige Eiseneinnahme bei Schwangeren ohne Beschwerden Mutter und Kind nützt, lässt sich laut US-Taskforce nicht beurteilen: Die Studienlage reicht dafür nicht aus.
Design
Empfehlung der US Preventive Services Task Force (2024) auf Grundlage einer systematischen Übersicht; gilt für Schwangere ohne Beschwerden.
Ergebnis
Für das Screening und für die routinemäßige Eisengabe: unzureichende Evidenz (I-Statement). In den USA (Umfragedaten 1999–2006) hatten schätzungsweise fast 18 % der Schwangeren Eisenmangel. Etwa 5 % der Schwangeren haben laut USPSTF eine Eisenmangel-Anämie.
Einordnung
Bereits 2015 kam die Taskforce zum selben Ergebnis. Die Empfehlung betrifft nicht Schwangere mit Beschwerden einer Eisenmangel-Anämie oder mit Mangelernährung.
Quelle: US Preventive Services Task Force. Screening and Supplementation for Iron Deficiency and Iron Deficiency Anemia During Pregnancy: US Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA 2024;332(11):906-913. doi:10.1001/jama.2024.15196
Quelle: Siu AL; U.S. Preventive Services Task Force. Screening for Iron Deficiency Anemia and Iron Supplementation in Pregnant Women to Improve Maternal Health and Birth Outcomes: U.S. Preventive Services Task Force Recommendation Statement. Ann Intern Med 2015;163(7):529-36. doi:10.7326/M15-1707
Psychologische Angebote senken den Langzeitzucker kaum
Bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes senkten psychologische Angebote wie Verhaltenstherapie, Beratung oder Selbsthilfe-Material den Langzeitzucker (HbA1c) nur minimal; die Autoren sehen kaum klinischen Nutzen. Bei Kindern und Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes verbesserten sie den Wert insgesamt nicht.
Design
Zwei Metaanalysen derselben Forschungsgruppe, Literatur 2003 bis Juli 2018: Typ 2 – 70 randomisierte Studien mit 14 796 Erwachsenen; Typ 1 – neun Studien mit 1102 Erwachsenen und 20 Studien mit 2567 Kindern.
Ergebnis
Typ 2: HbA1c etwas niedriger als in Kontrollgruppen (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,19), entsprechend etwa 3,7 mmol/mol – knapp unter dem Mindestunterschied von 4 mmol/mol. Typ 1: kein signifikanter Unterschied (standardisierte Mittelwertdifferenz: Erwachsene −0,12; Kinder −0,09). Bei Erwachsenen mit Typ 1 schnitt Verhaltenstherapie in einer Netzwerk-Analyse etwas besser ab als übliche Versorgung, Aufmerksamkeits-Kontrollgruppen allerdings noch besser.
Einordnung
Die Autoren bewerten den Effekt bei Typ 2 als klinisch kaum bedeutsam; es gab Hinweise auf eine Verzerrung zugunsten positiver Studien. Die Ergebnisse der Studien wichen mäßig voneinander ab. Finanziert vom britischen NIHR. Mehrere Autorinnen und Autoren erhielten Honorare von Pharmafirmen, unter anderem Novo Nordisk, Lilly und Sanofi. Ob die Angebote andere Ziele wie das seelische Befinden verbessern, wurde hier nicht bewertet.
Quelle: Winkley K, Upsher R, Stahl D et al. Psychological interventions to improve glycemic control in adults with type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. BMJ Open Diabetes Res Care 2020;8(1):e001150. doi:10.1136/bmjdrc-2019-001150
Quelle: Winkley K, Upsher R, Stahl D et al. Systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials of psychological interventions to improve glycaemic control in children and adults with type 1 diabetes. Diabet Med 2020;37(5):735-746. doi:10.1111/dme.14264
Atemtherapie bei Schlafapnoe und Langzeit-Blutzucker
Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und obstruktiver Schlafapnoe kommen zwei Auswertungen randomisierter Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen: Eine fand eine kleine Senkung des Langzeit-Blutzuckerwerts HbA1c durch nächtliche Überdruck-Atemtherapie (CPAP), eine neuere fand bei keiner Behandlungsdauer eine signifikante Änderung.
Design
Herth 2023: 11 randomisierte Studien mit 964 Patientinnen und Patienten, CPAP gegen inaktive Kontrolle. Wu 2026: 14 randomisierte Studien mit 1273 Teilnehmenden, CPAP gegen keine oder Schein-CPAP, ausgewertet nach Behandlungsdauer.
Ergebnis
Herth: HbA1c im Mittel 0,24 Prozentpunkte niedriger (95-%-KI 0,06–0,43); die Senkung hing mit den Nutzungsstunden pro Nacht zusammen. Wu: bei kurzer, mittlerer und langer Behandlungsdauer keine signifikante Änderung des HbA1c; bei langer Anwendung sank die Insulinresistenz (HOMA-IR), der Body-Mass-Index stieg leicht.
Einordnung
Wu bewertet die Vertrauenswürdigkeit der Belege für die wichtigsten Messgrößen, darunter HbA1c, als gering, vor allem wegen uneinheitlicher Ergebnisse und ungenauer Schätzungen, und nennt die Ergebnisse vorläufig. Bei Herth gab es in sechs der elf Studien Bedenken zum Verzerrungsrisiko. Ein Autor der Herth-Auswertung erhielt Beraterhonorare von Bayer, Novartis, GSK, Boehringer Ingelheim, Mundipharma und Astra; bei Wu wurden keine Interessenkonflikte angegeben. Wu wurde aus öffentlichen Mitteln gefördert; eine der einbezogenen Studien war industriegefördert.
Quelle: Herth J, Sievi NA, Schmidt F, Kohler M. Effects of continuous positive airway pressure therapy on glucose metabolism in patients with obstructive sleep apnoea and type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. Eur Respir Rev 2023;32(169):230083. doi:10.1183/16000617.0083-2023
Quelle: Wu Y, Chen Z, Cheng Z et al. Effects of continuous positive airway pressure therapy duration on patients with obstructive sleep apnoea and type 2 diabetes mellitus: a systematic review and meta-analysis. BMJ Open Respir Res 2026;13(1):e003324. doi:10.1136/bmjresp-2025-003324